in den letzten Tagen habe ich mich mal wieder in eines meiner Lieblingsbücher („Managen wie die Wilden“) eingelesen. Das 1973 erschienene Buch beschreibt in genüsslicher Weise, dass zwischen dem, was wir heute modernes Management nennen und den „Führungsthemen“ der Urvölker erstaunliche Parallelen bestehen. Ein Beispiel ist das „Oberhäuptling Dilemma“.

Ein Zulu, der in dem Buch zitiert wird, beschreibt es wie folgt: „Einerseits regiert der König mit Hilfe seiner Brüder und Onkeln. Anderseits hasst der König seine Brüder und Onkel, weil sie nach seinem Thron streben könnten.“ Dass in den letzten Jahrzehnten auch Frauen in den Prozess eingetreten sind, macht es für den König oder die Königin von heute nicht einfacher.

Der Zulu weiß, wovon er spricht. Der Schöpfer seines Reiches, Tschaka – den Begriff kennen wir nur zu gut aus der modernen Motivationspsychologie -, betrachtete sich, wie es auch seine Untertanen taten, als der mächtigste Mann Afrikas. Und er wurde 1829 innerhalb weniger Minuten von Mitgliedern seines eigenen Gefolges ermordet.

Auch moderne Manager und Politiker haben das Problem und gehen als Profis deshalb gezielt vor: Sie entfernen strategisch alle Brüder, Schwestern, Onkeln und Tanten nach der „Machtübernahme“ aus den Ämtern und ersetzen diese durch tendenziell will fähige Spezialisten, die nicht in der Lage sind, das Gesamtunternehmen zu führen. Dieser Prozess dauert oft so lange, bis zum Schluss kein natürlicher Nachfolger aus den eigenen Reihen mehr in der Nähe zu sein scheint.

Wie können Sie das Oberhäuptling Dilemma für sich nutzen:

  1. Versuchen Sie in dem Unternehmen oder dem Unternehmensbereich für den Sie sich bewerben, festzustellen, in welcher Phase des Dilemma-Prozesses die Führungsspitze ist.
  2. Wenn potenzielle Rivalen gerade durch „Fachleute“ ersetzt werden und Sie so einer sind, dann kann das Ihre Chance sein.
  3. Wenn die Aktionäre oder Gesellschafter für einen „Häuptling“, der intern dann keine Nachfolger mehr hat, einen solchen extern suchen, sind Sie von extern vielleicht der richtige Mann oder die richtige Frau.
  4. Vergessen Sie aber nicht: Als neuer Häuptling müssen Sie möglichst sofort, die „Restbestände“ an Führungspotenzial elegant beseitigen, diese durch treue Fachleute – keine Generalisten – ersetzen und sich so Ihre Macht sichern.
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Ich bin aber kein Mensch, der so arbeiten und leben will, werden jetzt viele sagen. Diesen kann ich dann nur raten: Gut, aber akzeptieren Sie den Vorgang, bleiben Sie achtsam und gehen rechtzeitig in Deckung.

Bald treffen sich Donald Trump und Kim Jong Un wieder, zwei, die sich dafür entschieden haben, das nicht zu machen.

Wer in deren Regim nicht nicht vorsichtig ist, landet…

Schauen Sie deshalb stets genau, was mit Ihrem Vorgänger im Job passiert ist.