Es ist nun zwar auch schon wieder einige Zeit her, und angeblich ist nichts so veraltet wie die News von gestern, aber in diesem Fall wollen wir eine Ausnahme machen.

Die Schweiz hat also über das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) abgestimmt und zwar dagegen. Das war vorhersehbar und ziemlich sicher wäre das Ergebnis in allen übrigen Ländern ebenso ausgefallen. Oder doch nicht?

Warum man über das Schweizer Abstimmungsergebnis nicht bedingungslos jubeln sollte

Außerhalb der Schweiz nahm man das Ergebnis überhaupt nur sehr peripher wahr. Wenn, dann wurde es mit Wohlwollen kommentiert.

Das Nein zum BGE ist aber leider kein Ruhmesblatt für aktiv gelebte Demokratie, sondern ein Signal gegen Hausverstand, Gerechtigkeit und Menschenrechte. Und dass es ausgerechnet im Vorzeige-Staat Schweiz “geschieht”, ist natürlich doppelt fatal. Man mag die Schweizer. Man glaubt ihnen. Man schaut neidisch zu Ihnen hinüber oder bewundernd zu Ihnen hinauf. Das dürfte sogar auch geographisch betrachtet der Fall sein.

Das Volk hat entschieden.

“BGE? Nie davon gehört. Bin dagegen.”

Es ist eigentlich erschütternd, was man so von “Menschen auf der Straße” hört. Die Stimme des Volkes ist oft nicht einmal in der Lage, zu verstehen, dass es auch um ihr eigenes Wohl und Wehe geht.

Denn das BGE nimmt niemandem etwas weg und bedeutet ein bisschen Freiheit.

Und zwar für alle. Warum ist sowas nicht für jeden einzelnen ein dringliches Anliegen?

Ganz frei wird der Mensch ohnehin nie sein. Dazu sind wir einfach zu -nunja- wenig entwickelt, aber wenigstens eine Existenzabsicherung für jeden sollte im Jahre 2016 selbstverständlich sein.

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Aber anscheinend ist Otto Normalverbraucher noch nicht so weit.

Pro und Kontra BGE

Die Vorteile des Bedingungslosen Grundeinkommens muss man nicht groß erörtern. Es dürfte in Wahrheit gar keine Diskussion darüber geben. Jeder, der in einem Staat eine Verantwortungsposition inne hat, muss doch, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, wollen, dass kein Bürger in Existenz-Not kommt.

Die Gegner des bedingungslosen Grundeinkommens sind entweder dagegen, weil sie selbst nicht unmittelbar betroffen sind, also sowieso schon ausgesorgt haben, oder sie schließen sich den Medien- und “Expertenmeinungen” an, welche da lauten:

  • Kein Geld dafür da.
  • Keiner würde mehr arbeiten.

Beide Gegenargumente sind völliger Unsinn.

“Nicht finanzierbar!” lautet der häufigste Einwand, der jedoch auf einem “Missverständnis” basiert. Es geht beim Grundeinkommen nicht um MEHR Geld. Das Grundeinkommen ist kein zusätzliches Einkommen, sondern ein grundsätzliches, nämlich das bestehende Grundeinkommen ohne Bedingungen. Und jeder, der einen Rechenschieber zur Hand hat oder ein paar kleine graue Zellen bemüht, wird schnell herausfinden, das das natürlich sehr wohl finanzierbar ist. Wo genug Geld zu sinnlos beim Fenster rausschmeißen ist, muss auch genug für eine Grundsicherung da sein.

Wer also ohne dabei lachen zu müssen, behauptet, dass sich das BGE nicht finanzieren ließe, hat die Sache mit dem Geld nicht so recht verstanden.

Und warum sollte dann keiner mehr arbeiten (wollen)?

Ganz im Gegenteil.

Es würden plötzlich viel mehr Menschen arbeiten WOLLEN, denn sie könnten sich die Jobs aussuchen und müssten nicht bloß lohnarbeiten, um zu überleben. Es wäre eine völlig neue Arbeitswelt, das stimmt, aber es wäre eine bessere.

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Die paar Menschen, die sich wirklich für keine Arbeit erwärmen können, werden ja auch jetzt schon mitfinanziert. Auch diesbezüglich würde sich nichts wesentliches ändern.
Ein Trost: Bedingungslose Liebe gibt es schließlich auch nur im Bastei-Lübbe-Heftchen. Warum sollte es dem Grundeinkommen da anders ergehen. Man kann ja hoffen…