Man braucht keine Statistiken, um die Medienbranche zu bedauern.

Der schiere Hausverstand sagt einem, dass die alten Medien, allen voran das Druckwesen, bereits stehend K.O. sind und nur noch künstlich am Leben erhalten werden, um Werbung und Meinung wirklich ganzflächig abzudecken, denn noch gibt es sie ja, die Zeitungsleser, Radiohörer und TV-Seher.

Die Auflagen von Tageszeitungen gingen innerhalb der letzten 10-15 Jahre um 40% zurück. Radio und TV werden hauptsächlich als Berieselung im Hintergrund eingesetzt oder damit die Kinder/Erwachsenen ruhig gestellt sind. Die neueren TV-Geräte fungieren ohnehin eher als Multifunktions-Endgerät für den Internet-Gebrauch.

Also eigentlich eine Bankrott-Situation. Das wissen alle.

Man muss allerdings sagen: Selbst schuld. Die Branche hat sich viel zu lange im eignen Saft gesuhlt. Wirtschaftlich und auch bezüglich Relevanz müsste man wahrscheinlich die meisten Verlage und Sender einstampfen. Sie sind obsolet geworden.

Der Untergang als Chance

Sicher ist, dass Medien und Verlage sich dem Internet unterordnen müssen.

Wer aus der sterbenden Branche überleben will, muss sich komplett umstellen. Noch ist der Zug nicht abgefahren und neue Konzepte unter Einbeziehung bzw. auf Basis des Internets haben noch Platz und warten auf Realisierung. Einfach nur den gleichen Content vom alten Medium ins Netz zu verlagern, wird allerdings nicht ausreichen. Auch der Aufbau einer User-bindenden Community und aktives Aktionsgebaren sind unerlässliche Komponenten. Aber auch das wird letzen Endes noch nicht ausreichen.

Die meisten Online-Ausgaben von Mainstream Medien haben nämlich bereits eine recht agile Community und gut frequentierte Foren. Aber wie fast immer in solchen Fällen feiert sich diese hauptsächlich selbst ab. Die Inhalte des eigentlichen Mediums dienen bestenfalls als Stichwortgeber für die Selbstdarstellung der User.

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Das kann allerdings jedes andere Forum auch, dazu braucht es keinen vorgegebenen Inhalt mit News-Etikett. Es wäre ein großer Fehler, das Mitteilungsbedürfnis der Menschen hier als Treue zum Medium zu werten, denn nur die Wenigsten wären bereit, für den Inhalt der Online-Ausgabe zu bezahlen. Die Herde würde dann eben eine Weide weiterziehen.

Mainstream Medien im Zwielicht

Und natürlich kämpfen die Medien seit einiger Zeit auch mit dem Thema Glaubwürdigkeit.

Qualitätsjournalismus gibt es in der optimalen Form, das ist nun mittlerweile auch nicht mehr das große Geheimnis, schon lange nicht mehr.

Das, was viele dieser Medien einmal hätten sein sollen, nämlich unter anderem eine Art Kontroll-Organ, die vierte Macht im Staate eben, spielt es gar nicht mehr.

Unabhängigen Journalismus, der diesen Namen auch verdient, gibt es höchstens im Internet und dort ist er meistens auch noch gratis und kommt von engagierten Menschen, für die dies ein Anliegen und eine Leidenschaft ist.

Trotzdem oder jetzt erst recht

Die Medienhäuser und Journalisten, die den Übergang noch schaffen, haben allerdings ein gute Chance, neue Bereiche zu finden und zu erschließen. Grade junge Menschen könnten ihre berufliche Zukunft genau jetzt in diese Umbruchsphase hinein investieren.

Die Medienindustrie steckt in einer tiefen Krise. Und Krisen bedeuten immer: neue Chancen für alle Beteiligten.

Die neuen Umstände

Medienmacher der Gegenwart und Zukunft müssen vor allem mit einem Phänomen des Internets fertig werden: Der Rezipient ist nicht mehr passiv. Er ist nicht mehr darauf angewiesen, das Dargebotene nach dem Motto „Friss oder stirb!“ auf- und anzunehmen.

Der User ist, wenn er will, auf Augenhöhe und kann sofort auf alles reagieren. Es ist also auch eine Sache des Persönlichkeitsprofils, ob man mit dieser demokratischen Situation fertig wird und was man daraus macht.

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